Gewässerentwicklung

 

Gewässerentwicklung

Ökologische Baubegleitung

Nur bei wenigen, kleinräumigen Revitalisierungen kann die gesamte Umsetzung vorgeplant werden. Für alle konsequent geplanten Gewässerentwicklungen ist jedoch die ökologische Baubegleitung eine der zentralen Aufgaben. Sie beinhaltet alle Modifikationen im Sinne einer ökologischen Aufwertung der Maßnahme während ihrer Umsetzung. Vor allem dann, wenn umfangreiche wasserbauliche Arbeiten durchgeführt werden, sollte die ökologische Baubegleitung mit der technischen Baukontrolle einher gehen. Eine enge Zusammenarbeit mit der Planungsgruppe und der technischen Bauaufsicht ist dabei unerlässlich.

Da die ökologische Baubegleitung umfangreiche Kenntnisse der Gewässertypen und aller Prinzipien natürlicher Gewässerfunktionen voraussetzt, kann sie nur von ausgewiesenem Fachpersonal mit entsprechender Erfahrung durchgeführt werden. Je nachdem, welcher Stellenwert der ökologischen Aufwertung beigemessen wird, müssen dem (der) ökologischen BaubegleiterIn auch weitreichende Befugnisse eingeräumt werden, um die Ausführung der Maßnahme im Rahmen zuvor vereinbarter Grenzen lenken zu können.

 

 Foto: © HYDRA

 

 

 

Aufgaben der ökologischen Baubegleitung

Im Rahmen der Maßnahmenumsetzung hat die ökologische Baubegleitung dafür zu sorgen, dass unter anderem folgende Prinzipien ökologischer Gestaltung und Bauausführung eingehalten werden:

Verwendung ortstypischer Materialien

Für  alle Strukturierungsmaßnahmen sollte in erster Linie Naturmaterial verwendet werden. Wenn möglich, sollte dieses aus einem vergleichbaren Gewässerabschnitt desselben Systems stammen, um alle gewässertypspezifischen Charakteristika aufzuweisen. Wenn dies nicht oder nicht in vollem Umfang zu erreichen ist, sollten Fremdmaterialien in Form und Umfang gewässertypischer Strukturen eingebracht und/oder durch gewässertypisches Material abgedeckt werden.

Naturnahe Ufergestaltung

Wenn eigendynamische Prozesse in der weiteren Entwicklung des  Gewässers eingeschränkt werden müssen (z. B. durch Hochwasserdämme und innerhalb von Siedlungen), ist dafür zu sorgen, dass die longitudinale, horizontale und vertikale Ausprägung der Böschungs- und Uferstrukturen dennoch so abwechslungsreich wie möglich erfolgt. Dabei ist darauf zu achten, dass keine überflüssigen Elemente eingebracht oder hydraulisch ungeeignete Strukturen geschaffen werden, die duch eigendynamische Prozesse wieder zerstört werden können. Daneben ist auf eine logische strukturelle Angleichung mit dem Geländeprofil des Umlandes zu achten. Der Grad und die Eigenart der Ausprägung von Uferterrassen ist an den Referenzgewässern zu erheben und auf die Gestaltung zu übertragen.

Naturnahe Gerinnegestaltung

Bei einer baubegleitenden Gerinnegestaltung ist darauf zu achten, dass eingebrachtes Material den Schleppkräften des Gewässers an der jeweiligen Stelle entspricht. Gegebenenfalls kann die Sohl- und Uferstabilität durch geeignete Sohlenabdeckung unterstützt werden. Zur naturnahen Gerinnegestaltung gehört auch die Positionierung geplanten Totholzeintrags.

Ersatzstrukturen zur Sohlen- und Bauwerksicherung

Wo immer aus technischen Gründen in und am Gewässer Stabilisierungselemente eingebaut werden müssen, ist nach naturnahen Alternativen zu hartem Verbau zu suchen. Meist führt eine nachhaltige Stabilisierung der Sohle zugleich zur Sicherung von Uferstrukturen und Bauwerken (z.B. Brücken) an der selben  Stelle.

Verhinderung bautechnischer Musterbildung

Bei vielen gewässerbaulichen Maßnahmen - vor allem  beim Einbringen von Sicherungselementen wie Dämmen, Schwellen und Buhnen - entstehen  auch dann geradlinige und regelmäßige Muster, wenn mit Naturmaterialien gearbeitet wird. Aufgabe der ökologischen Baubegleitung ist es, dafür zu sorgen, dass diese Muster optisch und im Sinne einer Nutzung dieser Strukturen als Lebensraum aufgelöst werden, ohne deren Stabilitätsfunktion einzuschränken. Der (die) ökologische BaubegleiterIn ist dabei angehalten, die technische Bauführung und deren Personal entsprechend einzuweisen, damit so wenig wie möglich nachträgliche Baukorrekturen durchgeführt werden müssen.

Sicherstellung der Fischdurchgängigkeit

Die Fischdurchgängigkeit von Gerinnen und Fischaufstiegshilfen muss im Rahmen der ökologischen Baubegleitung sichergestellt werden. Je nach Gewässertyp muss dabei die für die jeweiligen Fischarten geeignete Durchströmung und  minimale durchgehende Wassertiefe kontrolliert werden. Bestehen Zweifel an der Funktionsfähigkeit, müssen frühzeitig Modifikationen in der Bauausführung erfolgen.