Forschung

 

Forschung

 

SHARKFALLS

Degradation, Nutzung und mikrobielle Besiedlung von Haikadavern


Koordination: Christian Lott, Miriam Weber


Whale falls und neuerdings auch log oder wood falls wurden als wichtige punktuelle Lebensräume in den Tiefsee-Ebenen, die immerhin 50 % der Erdoberfläche ausmachen, erkannt. Aus den fettreichen Walknochen können Bakterien, freilebend und in Symbiose, viele Jahrzehnte organisches Material entziehen. Über die Entstehung von Sulfid werden chemoautotrophe Prozesse möglich, die symbiontischen Tieren die Existenz in diesen Habitaten ermöglichen. Für whale und wood falls wird die mögliche Rolle als „stepping stones“ für die Verbreitung von Organismen in andere Tiefseelebensräume diskuiert.

Ende Mai 2007 verendeten zwei Riesenhaie (Cetorhinus maximus) vor Elba in einem Fischernetz. Die Tiere sind wirtschaftlich wertlos und werden nicht gegessen, folglich kappten die Fischer das Netz und ließen die Kadaver in etwa 50 m Tiefe sinken.

Wir nutzten dieses unbeabsichtigte Experiment, um den Abbau und die eventuelle Besiedlung der toten Haie zu untersuchen. Eine erste Besichtigung zehn Tage nach dem Tod der Tiere zeigte schon einen dichten Bakterienrasen, jedoch nur moderate Spuren von Aasfressern. Nach weiteren 5 Wochen zeigte ein Kadaver schon deutliche Fraßspuren, die Bakterien bedeckten beide Haie fast komplett. Anzeichen auf große Aasfresser wie andere Haie, Schleimaale oder andere von whale falls bekannte konnten wir nicht feststellen.

Der spannendere Teil begann, als nach 6 Monaten die größeren Skelettelemente frei lagen. Einige Wirbel lagen etwa 15 m von den Kadaverresten entfernt. Eventuell haben hier doch größere Aasfresser Teile der toten Haie verschleppt. Das Knorpelskelett der Haie enthält weit weniger Fett als etwa Walknochen. Vielleicht ist in wenigen Monaten nichts mehr übrig, vielleicht halten sich die etwa 10 cm durchmessenden Wirbel noch mehrere Jahre....

 

Etwa 7 cm durchmessender Riesenhai"knochen" nach 6 Monaten, die organischen Bestandteile sind bis auf Reste des knorpeligen Rippenansätze

aufgelöst. Thiovulum-Schwefelbakterien, die schnellsten Bakterien der Welt, bilden einen schwebenden Schleier um die Knorpelreste.

 

Kooperationen:


Dr. Stefanie Grünke, Prof. Dr. Antje Boetius (Habitat Group, Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen): Morphologie und Phylogenie großer Schwefelbakterien

 

Mehr über chemosynthetische Symbiosen:

Dubilier N, Bergin C, Lott (2008):
Symbiotic diversity in marine animals: the art of harnessing chemosynthesis.
Nature Rev. Mic. 6:725-740

 

 

Dank an lokale Unterstützer:

Ganz herzlichen Dank an Carlo Diatto von der Tauchbasis TALAS, der uns auf die toten Haie aufmerksam gemacht hat, und an Isabell und Jürg von Marelino Sub für ihre logistische Unterstützung bei den ersten Tauchgängen. Ebenso an unseren Freund Daniele Fontana vom Diving Service Center Seccheto für die Assistenz bei den TRIMIX-Tauchgängen.

 

www.divingservicecenter.com

www.subacquea.com

www.marelinosub.com